Orcas und Polarlicht

by    DiveSSI    6th January 2020
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Eine Winterreise in die norwegische Arktis

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen unter den Nullpunkt fallen, drängt es unglaubliche Mengen an Hering in die Fjorde Nordnorwegens. Ihnen folgen Raubfische, Seevögel und Wale – allen voran Orcas und Buckelwale, die sich das große Fressen keinesfalls entgehen lassen wollen.

Etwa 1.500 Orcas dürfte die norwegische Population umfassen. Wenigstens 1.200 davon folgen dem Hering auf seiner Wanderung im Nordostatlantik. Mehr Orcas als hier gibt es nur in der Antarktis, und im Gegensatz zum südlichsten Kontinent sammeln sich die Orcas hier im Winter häufig in einigen wenigen Fjorden. Beste Bedingungen, um den Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum nahe zu kommen und sie vielleicht sogar unter Wasser zu Gesicht zu bekommen.

Auch wenn das Wasser mit vier bis sechs Grad nicht gerade tropisch-warm ist - der Golfstrom reicht bis in diese nördlichen Breiten von 70°N und sogar bis hinauf nach Spitzbergen. Somit ist die norwegische Küste den ganzen Winter eisfrei. Gleichzeitig sorgen das fehlende Sonnenlicht und die geringen Temperaturen für klares Wasser, also gute Sichtweiten.

Die Orcas und Buckelwale nähern sich den Booten (und auch Schnorchlern) mit ein wenig Glück und auch Geschick des Bootsführers bis auf wenige Meter. Männliche Orcas werden bis zu acht Meter lang, und die mächtige Rückenfinne, der sie auch den umgangssprachlichen Namen Schwertwal verdanken, ragt bis zu zwei Meter auf.

Die Orcas stellen dem Hering in Familienverbänden nach. Das älteste Weibchen hat das Sagen – hier zählt Erfahrung und nicht Stärke. Der Hering wird umkreist und durch Luftblasen, Laute und dem gezielten Einsatz der weißen Bauchseite in Panik versetzt. Die Heringe drängen sich eng zusammen und bilden einen so genannten „Baitball“. Einzelne Orcas schwimmen nun in den Schwarm und vollführen einen „Tailslap“ – sie legen plötzlich eine Art Salto hin, bei dem sie mit der Fluke (Schwanzflosse) in den Baitball schlagen. Im Schnitt kann diese Aktion bis zu 30 Fische töten oder betäuben. Nun können alle in Ruhe fressen. Die Orcas jagen so effektiv, dass sie sich erlauben können, wählerisch zu sein und nicht einmal die Köpfe der kleinen Fische fressen. Diese werden wieder ausgespuckt.

Nicht selten kommt es aber auch vor, dass Buckelwale die koordinierten Fressaktionen der Orcas sabotieren. Bildet sich ein Baitball, nutzen sie die Gelegenheit und schwimmen mit weit aufgerissenem Maul hindurch. Sie pressen das Wasser zwischen den Barten hindurch und filtern so den Hering hinaus. Im Schnitt können es einige hundert Kilogramm Fisch auf einen Schlag sein. Im Gegensatz zu den Orcas unternehmen die Buckelwale weite Wanderungen zwischen den nördlichen Gebieten mit reichlich Nahrung und den tropischen Gebieten, in denen sie ihre Jungen zur Welt bringen. Sie müssen sich also auch Reserven anfressen.

Dennoch erstaunt es, dass hier Orcas und andere Wale so friedlich miteinander dem Hering nachstellen. In anderen Gebieten töten und fressen Orcas Buckelwale, Minkwale, Finnwale und sogar Blauwale.

Allerdings konnten wir auch in Norwegen schon Orcas beobachten, die Schweinswale töteten. Scheinbar dient dieses Verhalten bei den Orcas, die sich auf Hering spezialisiert haben, jedoch nicht dazu, die kleinen Delfine zu fressen, sondern viel eher ist es für die schwarz-weißen Jäger ein Spiel (welches für den Schweinswal in der Regel tödlich endet).

Nun stellt sich vielleicht die Frage „Ist es eine gute Idee, mit diesen Raubtieren ins Wasser zu gehen?“ Allerdings gab es bisher noch keine Zwischenfälle, die belegen würden, dass es eine schlechte Idee ist, denn anders als bei Orcas in Gefangenschaft, haben wildlebende Schwertwale noch kein aggressives Verhalten gegenüber Menschen gezeigt. Häufig sind sie eher gleichgültig, manchmal weichen sie Booten und Tauchern aus, und nicht selten schwimmen sie auch gezielt auf uns zu, um neugierig zu schauen, was wir da so treiben. Die eleganten Meeressäuger empfinden vielleicht auch Mitleid und Verwunderung, wenn sie die wild strampelnden Gestalten im Wasser erblicken.

Nordlichter und Winterlicht der Arktis: ein unvergessliches Erlebnis

Das winterliche Licht der Arktis ist ein unvergessliches Erlebnis. In orange-goldenen Strahlen fällt es durch die Täler in den Fjord. Dramatische, schneebedeckte Bergspitzen werden von einer Korona umgeben. Rot, violett, blau – innerhalb der wenigen Stunden Tageslicht wechseln die dominierenden Farben häufig von Minute zu Minute.
Und damit nicht genug. Nach Sonnenuntergang geht das Lichtspiel mit etwas Glück weiter. Denn je nach Bewölkungsgrad und Sonnenaktivität lässt sich auf diesen Breiten der Tanz der Nordlichter beobachten. Fairerweise muss man sagen, dass sie nicht immer tanzen. Häufig ist es vielmehr ein grüner Schleier am nördlichen Horizont, mit dem man sich begnügen muss.

Aber es gibt auch diese Wochen, wo es am Abend fast schon lästig wird, hinaus in die Kälte zu gehen. Wellen aus rotem und grünem Licht rasen über das Firmament – nichts davon möchte man verpassen, aber irgendwann – weit nach Mittenacht – werden Hände und Füße dann doch zu kalt. Und ein wenig Schlaf benötigt man ja auch noch, bevor es am Morgen dann wieder hinaus auf den Fjord geht, um das wilde Spektakel der Orcas, Buckelwale und Heringe zu erleben.

Der norwegische Expeditionsanbieter Northern Explorers AS blickt auf beinahe 15 Jahren Erfahrung im Schnorcheln und Tauchen mit Orcas zurück und war damit einer der ersten Veranstalter für diese Art Erlebnis. Die Touren finden im November und Januar statt (im Dezember begrenzt das fehlende Tageslicht die Möglichkeiten). Es werden Touren mit kleinen Booten und Gruppen (4 bis 5 Teilnehmer) angeboten, sowie auch Safaris mit einem Segelschiff mit maximal 10 Teilnehmern. Da sich die Saison auf wenige wirklich gute Wochen begrenzt, empfiehlt es sich, frühzeitig zu buchen.

Fotos:Uli Kunz und Sven Gust

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DiveSSI
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6th January 2020
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