Kalifornien: Wale kehren immer wieder in Sonar-Testgebiete zurück

by    DiveSSI    7th February 2019
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Ein Cuvier-Schnabelwal im Sonartestgebiet der US-Navy in Kalifornien (c) A. Friedlaender; NMFS-Genehmigung Nr. 14534
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Ein Cuvier-Schnabelwal mit der R/V Hugh Sharp im Hintergrund © NOAA Fisheries / Danielle Cholewiak, NEFSC
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Um Populationen von Tiefsee-Tintenfischen (der Hauptnahrung für Schnabelwale) zu untersuchen, verwendeten Wissenschaftler dieses autonome REMUS-Unterwasserfahrzeug (AUV), das mit speziellen Echoloten ausgestattet war. (c) Kelly Benoit-Bird
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Der große rote Bereich auf dieser Karte zeigt, wo sich in der Sonar-Teststrecke der Navy vor Südkalifornien Schnabelwale versammeln. Daten, die der REMUS-AUV gesammelt hat, zeigen, dass Tiefseekalmare in dieser Region viel häufiger vorkommen als anderswo. (Kartenbild (c) Google Earth)

Sonarfreie Gebiete arm an Nahrung

Unter Verwendung von Daten von Unterwasserrobotern haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Schnabelwale es vorziehen, sich in Teilen eines Sonar-Testgebiets der US Navy vor Südkalifornien zu ernähren, da dort viele Tiefsee-Kalmare vorkommen. Eine neue Studie, die jetzt im Journal of Applied Ecology veröffentlicht wurde, zeigt, dass Schnabelwale diese Beute-Hotspots zum Überleben brauchen und dass ähnliche Stellen in nahegelegenen "sonarenfreien" Gebieten einfach nicht existieren

Seit Jahrzehnten verwendet die US Navy leistungsstarke Sonare für Trainings- und Testübungen gegen U-Boote in verschiedenen Meereslebensräumen, darunter im San Nicolas Basin vor Südkalifornien. Schnabelwale reagieren besonders empfindlich auf diese Art von militärischen Sonaren. Nach rechtlichen Schritten von Umweltaktivisten änderte die Marine einige Trainingsaktivitäten, schuf "sonarfreie" Gebiete und gab über ein Jahrzehnt Dutzende Millionen von Dollar aus, um Wege zu finden, den Schaden für Schnabelwale und andere Säugetiere zu verringern.

Neue Forschungen, die von Brandon Southall vom der University of California, Santa Cruz, und Kelly Benoit-Bird vom Monterey Bay Aquarium Research Institute geleitet wurden, sollten helfen,  besser zu verstehen, warum die Wale trotz der Risiken immer wieder in den Testbereich zurückkehren.

Die Forscher statteten einen Unterwasserroboter mit Echolot aus, um die Häufigkeit und Größe von Tiefseekalamaren in verschiedenen Teilen des Marinetestgebietes sowie in nahegelegenen Gewässern zu messen. Sie entwickelten auch ein "Energiebudget" für Schnabelwale, das die Kosten - in Zeit und Kalorien - für die Jagd auf Tintenfische aufzeigt. Dies half den Forschern zu schätzen, wie viele Tauchgänge die Wale machen mussten, um genügend Nahrung zu finden, um in verschiedenen Gebieten zu überleben.

"Schnabelwale arbeiten sehr hart, um an ihr Futter zu gelangen", erklärt Benoit-Bird. Im Gegensatz zu vielen Bartenwalen mit erheblichen Energiereserven können es sich Schnabelwale nicht leisten, zu viel Energie für einen Tauchgang aufzuwenden, der nicht dazu führt, dass viele Tintenfische gefangen werden. In Gebieten, in denen die Beutekonzentration gering ist, müssen die Schnabelwale härter arbeiten und mehr Kalorien verbrauchen, was die Fortpflanzung und die Aufzucht des Nachwuchses wesentlich erschwert. Einige der untersuchten Gebiete wiesen eine so geringe Beutekonzentration auf, dass die Wale wahrscheinlich ihren grundlegenden energetischen Bedarf nicht decken könnten, wenn sie nur dort jagten.

"Die Tiefsee ist nicht einheitlich und die Schnbelwale wissen genau, wo sie jagen müssen", fügt Benoit-Bird hinzu. Es stellt sich heraus, dass ein Teil des Navy-Testbereichs vor Südkalifornien ein ein Gebiet umfasst, das reich an Tintenfisch ist. Tatsächlich waren Tintenfische in dem von den Walen bevorzugten Gebiet 10 mal häufiger anzutreffen. In diesem bevorzugten Gebiet konnten die Wale genügend Nahrung bekommen, indem sie nur einen Tauchgang pro Tag machten. In einem nahegelegenen sonarfreien Gebiet (das mit der Idee gegründet wurde, dass Schnabelwale während der Sonartests in diesen Gebieten Schutz suchen könnten) mussten die Wale zwischen 22 und 100 Tauchgänge pro Tag absolvieren, um genügend Nahrung zu bekommen.

"Unsere Ergebnisse haben Auswirkungen auf das Management", erklärt Southall. "Sie liefern direkte Informationen an Marine und Bundesbehörden, um wichtige Lebensräume vor Kalifornien besser zu verwalten und zu schützen."

Link zur Studie: https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1365-2664.13334.



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7th February 2019
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